Was sich hinter dem Pfingsteiersingen verbirgt steckt, weiß man erst, wenn man einmal dabei gewesen ist. Als unser Maikönig von 2022, Christian Kretzschmar, zum ersten Mal am Pfingsteiersingen teilnahm, war ihm nicht klar, was ihn erwarten würde. Mittlerweile sagt er: "Pfingsteiersingen ist mein Jahreshighlight."
Der Ursprung dieses Brauches ist nicht ganz geklärt, stammt aber wohl vom Speisensammeln für ein Pfingstfest. Diese alte rheinische Tradition übernahm der Rosenhügel schon im Jahr seiner Gründung. Die Junggesellen vom Rosenhügel treffen sich vormittags am Pfingstsamstag in ihrer Vereinskneipe 'Warsteiner Eck' – geführt von Wolfgang 'Wolly' Orth - , von der aus singend durchs Dorf gezogen wird, um mit einem Bollerwagen die Eier einzusammeln. Der Maikönig und drei weitere Vereinsmitglieder erhalten eine Spendenbüchse. Sie sammeln später die Eier ein, nehmen aber auch kleine Geldspenden entgegen, das sogenannte 'Scherflein in die Büchs'. Weitere Teilnehmer werden zum Klingeln an den Häusern eingeteilt.

Gestartet wird dann seit vielen Jahren am Restaurant Kastanienhof an der Wolsdorfer Straße. Besonders freuen sich die Junggesellen, wenn der Inhaber, Stjepan Sabo, persönlich vor Ort ist. Dann gibt es nicht selten nach den 5 Strophen des Pfingsteierliedes "Heiderose Blümelein, krieje me och a Pingsei?" jede Menge Eier, ein Tablett mit Sliwowitz oder ein kühles Kölsch. Mit "Me don och vellmols danke, Heiderose Blümelein, für die schönen Gaben" verabschieden sich die Junggesellen und erfreuen nun die Anwohner Auf der Papagei und den umliegenden Straßen mit ihrem Gesang. Bewährt hat sich mittlerweile ein Halt in der Leonhardstraße, wo sich im Garten eines Vereinsmitgliedes die Mitwirkenden mit einer Brat- oder Siedewurst stärken können. Dies ist als Grundlage auch notwendig, denn spätestens ab der Bertramstraße erhalten die Sänger von den Anwohnern zu den Eiern auch noch ein Schnäpschen oder ein kaltes Kölsch. Auch die Siedlung Marienfried, die man über die Viehtrift erreicht, wird beim Pfingsteiersingen besucht. Dort lädt ein Pärchen seit vielen Jahren in ihren Garten ein und bereitet den Junggesellen einen Empfang mit Musik, Brot, Dips und kühlen Getränken.
So haben sich zahlreiche sogenannte 'Stationen' etabliert, bei denen die hilfsbereiten Wolsdorfer die Gesangspausen der Junggesellen mit Erfrischungen verschönern. Als Dank dafür gibt es einen Ehrenschwenk der Fähnriche und eine Extrastrophe des Pfingsteierliedes.

Bis 2012 stand auch immer ein Besuch des Jagdhauses bei Renate und Emil Stey auf dem Programm. Das Restaurant, in dem viele Jahre auch der Maiball gefeiert wurde, schloss Ende 2012 und wurde später abgerissen. Nachdem die Siedlung Marienfried von Eiern befreit wurde, geht es für die Junggesellen weiter über die Anliegerstraße 'Am Klinkenberger Hof' zur Zeithstraße. Natürlich wird auch im Restaurant Mythos und im Hotel & Restaurant Kasserolle auf der Seidenbergstraße, wo eine Rast eingelegt. Zum Abschluss besuchen die Junggesellen eine Familie 'Am Rosenhügel', die in ihrem schönen und wunderbar gepflegten Garten die bis zu 40 Teilnehmer herzlich empfangen. Häufig schaffen es so die rot gekleideten Sänger daher erst zu später Stunde ins Warsteiner Eck zurück zu kehren. Dort wartet dann schon sehnsüchtig die Maikönigin mit vielen Helferinnen, die den Vereinsmitgliedern und Vereinsfreunden große Mengen Rührei zubereiten, nachdem die Eier genauestens gezählt wurden. Am Abend werden dann noch die Gewinner prämiert, die die Anzahl beim traditionellen Eier-Tipp am besten vorausgesagt haben. Nicht selten kommen an einem solchen Pfingstsamstag 600 oder mehr Eier zusammen. Anhand der Teilnehmerzahlen und der vielen Stationen lässt sich ablesen, dass sich diese Tradition nicht nur bei den Junggesellen, sondern bei allen Wolsdorfern immer noch einer großen Beliebtheit erfreut.
